(Anm. d. Autors: Ich fing diesen Blogpost mit einer vagen Idee an und beendete ihn mit einer Mischung aus Verwirrung, Scham und Abscheu. Das passiert mir öfters. Ich mach das hier noch nicht so lange, bitte haut mich nicht .__.)

Und, nach welchen arbiträren Standards evaluiert ihr so eure Gemeinsamkeiten mit beliebigen Mitmenschen?
Früher™ war ja gefühlt Musik das präferierte Distinktionsmerkmal und gleichermaßen Bondinggrundlage der Wahl. Alle mögen Musik, alle mögen irgendwie andere Musik, viele hängen sehr an ihrem über die Jahre feinsäuberlich raffinierten Musikgeschmack, andere hingegen freuen sich einfach so über jeden neuen musikalischen Einfluss. Musik ist ‘ne schöne Sache, kannste nix mit falsch machen, weißdochjeder, yadda yadda, wemerzählichdaseigentlich.

Und deswegen war Musik auch immer der go-to Eisbrecher.
Ah, du magst $DEPRESSINGSWEDISHBAND? Dann magst du vielleicht auch Tiger Lou – *Youtubelink schick*. Ja, findest du gut? Knorke (hier 2-8 Stunden weitere Konversation einfügen).
Instant bonding.
So oder so ähnlich bin ich bei vielen Menschen in meinem heutigen Freundeskreis irgendwie von “Kenne ich halt” bei “Sind befreundet” gelandet. Natürlich war das in der Realität alles viel eloquenter, mit weniger yadda vom yadda und mehr emotionsgebundender Assoziation, aber ich will hier schließlich auf etwas ganz anderes hinaus.

In den letzten Jahren kam ich immer seltener über Musik in ein Gespräch als über Serien. Das könnte zum einen daran liegen, dass mein Serienkonsum konstant zu wachsen scheint, während mein Musikkonsum weitgehend konstant bleibt – Aber über Gründe schwabulieren ist ein Thema für einen anderen Post (glaube ich jedenfalls, ich arbeite noch am Thema für diesen hier).
Es scheint als hätten sich Serien mittlerweile ausreichend als Konsumstandard etabliert, um als adäquates Eisbrechersubstitut durchzugehen – Egal ob es das Warten auf die nächste Staffel Sherlock / Game of Thrones oder der Simpsons-Couchgag von letzter Folge ist, jemand in Hör- oder Leseweite teilt entweder deine Ungeduld oder deinen Lacher. Auch sonst greifen bei Unterhaltungen über Serien die weitgehend gleichen Mechanismen wie bei Unterhaltungen über Musik: Empfehlungen (Wer Dexter mag, mag bestimmt auch Breaking Bad), abgleichen von Wertungen (Wer Suits mag kann kein schlechter Mensch sein), Austausch über bereits konsumiertes und noch zu konsumierendes Serienmaterial – Wer kennt es nicht. Ja, ich habe >9000 Serien (und 2 Filme) in der Watchlist, die mir allesamt von Menschen empfohlen wurden, die sich als zuverlässig etabliert haben.
Wobei, gerade Empfehlungen unterscheiden sich bei Serien dann doch noch etwas. Serien erfordern einen anderen (sprich: höheren) Aufmerksamkeitslevel als Musik. Wer hätte das gedacht, ist ja auch ein Sinn mehr beteiligt. Dazu ist eine Episode im Schnitt etwas länger als ein dreimütiger Track von $DEPRESSINGSWEDISHBAND.
Musikempfehlungen sind für die nächste halbe Stunde – Serienempfehlungen sind für den Rest des Abends, und wenn sie gut sind, auch den Rest der Nacht, des nächsten Morgens und oh my glob wo sind die letzten 3 Tage hin ich hab doch nur… Oh, alle Staffeln Weeds am Stück geguckt. Hups.

Ihr könnt mir nicht erzählen euch sei das noch nie passiert. How dare you lie to my imaginary face

Ja, Weeds ist mein “Wo sind die letzten 3 Tage hin? Oh.”
House ist mein happy place.
Suits ist mein Wochenabschluss.
Death Note ist mein jährliches Ritual.
Family Guy, Simpsons, American Dad, Bob’s Burgers – Meine Montagabendaufbaumittel.
Scrubs ist Material für Reminiszenzexzesse.
FLCL ist diese Serie, über die man nicht sprechen kann. Stargate ist wie früher.
Futurama ist… Futurama.
Sherlock ist diese entfernte Verwandtschaft, die nicht wirklich oft, geschweige denn regelmäßig zu Besuch kommt, aber jedes mal unheimlich kewle Geschichten erzählt, für 3 Tage bleibt und dann “bis zum nächsten Mal” sagt, ohne anzudeuten, wann das sein wird. Aber ich freue mich drauf.

(Okay, so beim tippen klingt das signifikant trauriger und antisozialer als ich erwartet hätte, aber nun gut.)

Was ich damit eigentlich einleiten wollte war folgender Gedankengang:
Mit Musik assoziiere ich meist bestimmte Phasen, Lebensabschnitte, Stimmungen, Orte – was auch immer, aber meistens etwas.
Wenn ich Kinderzimmer Productions höre, denke ich an die späte Oberstufenzeit, McDonaldsfrühstück um 23:30 Uhr und ein seltsames Gefühl der sinnbefreiten Gutlaunigkeit.
Millencolin ist meine Mittelstufe.
Murder by Death ist die CD in meinem Auto. Speziell im Sommer.
Pogo kann immer laufen.
Say Hi ist 2011.
You get the idea.

Natürlich hilft das alles ungemein, wenn man sich dann mit Leuten unterhält, die ähnliche Assoziationen haben. Man trifft sich auf einer völlig anderen Ebene, wenn man feststellt, dass man mit 15 dieselbe Musik gehört hat, um Abends depressiv zu sein.

(Na gut, das klingt alles immernoch ziemlich traurig und ich wollte eigentlich auf was ganz anderes hinaus.)

Okay. Ich krieg den Bogen nicht mehr… äh… Umgebogen? Gespannt? Ich weiß es nicht.
Es ist spät und eigentlich wollte ich nur davon erzählen, wie ich mittlerweile so viel und mehr Zeit mit dem Konsum, dem Empfehlen, dem Aufstöbern, dem sozial orientierten Austauschen von Serien verbringe wie ich es einst mit Musik zu tun pflegte. Nicht etwa, dass mir Musik egal geworden ist, eher im Gegenteil bin ich erst jetzt *alt genug*™ um Musik *von früher*™ in ihren adäquaten Kontext zu setzen.

*(Ich habe gerade nach oben gescrollt und gemerkt, dass ich eigentlich auf was ganz anderes hinauswollte. Wow.)*

Also, wie war das noch gleich, arbiträre Gemeinsamkeitsstandards. Jap. Genau, das.
Den Rest schafft ihr alleine, oder?
Super. Dann kann ich ja jetzt beruhigt schlafen gehen.

I’ll just leave this here.


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